07.05.2012

Flößersteig und Hinterhermsdorf

 

 Heute wandern wir den Flößersteig lang.Wir starten in Bad Schandau an der Elbe.Der Lehrpfad ist 13 km und die Begehung erfordert ungefähr 4-5 Stunden.

Nach einem Lauf von 45 km und einen Gefälle von 390 mündet die Kirnitzsch in 120 m Höhe in die Elbe.Ihre Quelle befindet sich bei Studanka in Nordböhmen.Die Mündung heißt seit 400 Jahren "An der Bindung",weil hier zur Zeit der Flößerei die getrifteten Hölzer mittels Wieden,(das sind junge,zusammengedrehte Fichtenäste) zu großen Flößen zusammen gebunden wurden.

(Texte von Schautafeln übernommen)

Hier beginnt der Lehrpfad "Flößersteig",geschaffen in den Jahren 1958 bis 1988 .Er führt an der Mündung der Kirnitzsch durch ein 13 km langes Talstück bis zur Neumannmühle und soll die Erinnerung an das alte Flößergewerbe wachhalten.Die Gestaltung der mehr als 100 Tafeltexte erfolgte durch die Mitglieder des Arbeitskreises sächsische Schweiz.

Die Elbe ist seit dem frühen Mitelalter eine bedeutende Binnenwasserstraße und ein wichtiger Verkehrsweg zwischen Böhmen und Sachsen gewesen.Das erste Dampfschiff fuhr 1839 hier vorüber.Heute verkehren zwischen den Sommermonaten historische Dampfschiffe und moderne Motorschiffe der "Weißen Flotte" zwischen Dresden und Schmilka.

  Die Stadt Schandau wurde etwa Mitte des 14.Jhd.auf dem 250 m breiten Schwemmlandkegel,den die Kirnitzsch aus Sand-und Geröllmassen aufgeschüttet hatte erbaut.Die Aufschüttung reicht aber nicht aus,um die Stadt vor größeren Hochfluten der Elbe zu bewahren.

 

Der elektrische Personenaufzug ist heute ein technisches Denkmal.Er wurde 1904 errichtet.Das Eisengerüst hat eine Höhe von 62 m,die Hubhöhe für den Fahrstuhl beträgt 50 m.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand sich im einstigen Schützenhaus das Kurtheater.Hier hat der bekannte Schauspieler Hans Albers seine Karriere begonnen.Später,zum "Dekorahaus" umbenannt war es Fachhochschule für Dekorateure.

Am linken Kirnitzschtalhang nimmt der Pflanzengarten von Bad Schandau eine Fläsche von fast 4000 Quadratmetern ein.In zwei größeren Anlagen,einer pflanzensoziologischen und einer pflanzengeographischen Abteilung,werden etwa 1500 verschiedene Pflanzenarten gezeigt.Ein Höhepunkt bietet alljährlich die Blütezeit der zahlreichen Rhododendronbestände und Freilandazaleen.

Leider haben wir es nicht mehr geschafft diesen Pflanzengarten zu besichtigen.

 Dem aufmerksamen Besucher fallen auf diese vor mehr als 100 Jahren angelegten Promenade die letzten Überreste von kleinen Grotten und Sitznischen mit Ruhebänken auf.

Das Depot der Kirnitzschtalbahn wurde Ende des 19.Jhd.als Elektrizitätswerk erbaut.

Die weithin bekannte Gaststätte "Waldhäusl" besteht seit 1885.Die eigentliche Gaststätte verfügt über 40,das Jagdzimmer über 26,der nach einem Brand 1975 neu aufgebaute Teil,über 110 Plätze.Die Gaststätte befindet sich seit 1990 in Privatbesitz.

An dieser engsten Stelle des unteren Kirnitzschtales,wo sich die Felswände auf 80 m Entfernung nähern,stehen am Talhang drei Kletterfelsen.

 

Als ein weiterer der sieben "Schutze" oder "Floßrechen" zum Festhalten des Floßholzes befand sich hier neben dem Bache der " Steinbruchschutz" oder der "Löwenschutz",auch "Oberhauptschutz"genannt.Da von 1921 1n die Flößerei an der Neumannmühle endete,stehen von ihm nur noch die mächtigen Steinsockel.Daneben befindet sich seit 1911 ein selbsttätiger Wasserstandsmesser.

Über weite Flächen werden die Ufer der Gebirgsflüsse von Stauden mit großflächigen,runden Blättern gesäumt.Sie gehören dem roten Pestwurz an.

Auf einer Strecke von über 2 km hat sich hier die Kirnitzsch in den Lausitzer Grandiorit eingeschnitten und bildet ein breiteres,vielgewundenes Tal,auf dessen Sohle Platz für Wiesen,Mühlen und Fischteiche ist.Granitfelsen,die vor 300 Millionen Jahren entstanden sind,stellen den Untergrund des Elbsandsteingebirges dar.

Das Wasserwerk für den Stadtteil Ostrau wurde 1946/49 erbaut und 1992 rekonstruiert.Das uferfiltrierte Wasser der Kirnitzsch wird mit einer Leitung von 25 Kubikmeter in der Stunde zum Hochbehälter an der kleinen Liebe gepumpt.

Die Ostrauer Mühle besteht seit der Mitte des 17.Jhd.Früher fast ausschließlich Schneidemühle,diente sie zuletzt zur Erzeugung von Holzmehl,das bei der Herstellung von Linoleum gebraucht wird.Heute befindet sich hier ein gut besuchter Campingplatz.Bis 1872 verlief die Kirnitzschtalstraße mitten durch das Mühlengrundstück.

Soweit sich das Kirnitzschtal in den Lausitzer Granadiorit eingesenkt hat,ist sogar Platz für Teiche vorhanden.Hier wurde im Winter Kühleis für die ehemalige Bad Schandauer Niederlassung der Radeberger Brauerei gewonnen und später die Aufzucht von Karpfen betrieben.

Die Mittelndorfert Mühle,einer der ältesten Mühlen des unteren Kirnitzschtales,ist schon seit Anfang des 16.Jhd.bekannt.Im 19.Jhd.standen hier den ersten "Schweizreisenden" eine gute "ländliche" Verpflegung,Unterkunft und ein mit der Gegend vertrauter Führer zur Verfügung.Von 1882 bis 1958 war die Mühle eine Pappenfabrik.Seit 1965 finden wir wieder wie vor 150 Jahren eine Gaststätte mit Übernachtung vor.

Wanderweg hinter der Mittelndorfer Mühle (schwierig)

Forsthaus im Kirnitzschtal

 Auf waldigen Talhang steht ein eigenartig gestalteter,an sich bedeutungsloser Kletterfelsen,der "Schweinskopf" Er bildet den letzten Ausläufer eines mehr als 1,5 km langes Zuges von Felsklippen,die als "Teufelsmauer"quer über die Hohe Liebe hinwegziehen.

Das Engtal der Kirnitzsch weist mit seiner hohen Feuchtigkeit und Windruhe günstige Wuchsbedingungen auf.Die Bäume zeichnen sich durch geradschäftige,vollholzige Stämme aus.Oftmals umklammern die Wurzeln die Blöcke der Trümmerfelder am Fuße der Felswände.An den Stämmen sind oft Moose und Flechten zu finden.

Am 25.01.1989 ereignete sich hier ein Felssturz.Solche Massenbewegungen erfolgen häufig im Winterhalbjahr,wenn hohe Wassergehalte im Porenraum die Gesteinsfestigkeit mindern und die Eigenlast erhöhen.

Der Beuthenfall wird vom Beuthenwasser gespeist.In einem Seitengrund des Kirnitzschtales haben die Lichtenhainer Bauern früher ihre Bienenstöcke,ihre "Beuten"aufgestellt.Schon um 1850 bestand hier eine Stauvorrichtung für den Wasserfall sowie eine Rindenhütte als Rastplatz.1870 wurde hier ein Gasthaus errichtet.

Seit 1898 verkehrt die Kirnitzschtalbahn auf der Strecke von 7,8 km von Bad Schandau bis zum Lichtenhainer Wasserfall.

Diese beiden Denkmale entstammen der 2.Hälfte des 19.Jhd.Der linke,kleinere sog."Straßenwärterstein" diente zur Unterteilung von Straßen.Von dieser Ausführung sind im Landkreis nur noch drei Exemplare erhalten.Der größere mit einer Krone versehene Stein wurde etwa 1860 als königlich-sächsischer Meilenstein an einer Poststraße errichtet.

Als nach 1875 im Deutschen Reich die Entfernungsangaben umgestellt wurden,verloren die Meilensteine ihre Funktion.

Dieser Stein wurde deshalb vor mehr als 100 Jahren ins Kirnitzschtal umgesetzt.Seitdem erfüllt er hier seine Funktion als Wegweiser.

Bis 1870 war das Kirnitzschtal hier auf einer Strecke von 1,6 km,abgesehen vom "Flößersteig",fast völlig unwegsam.

Lichtenhain

1552/53 war hier anstell einfacher Rindenhütten das erste Steinerne Wirtshaus im Schweizer Stil errichtet worden,das heute als Hotel und Gaststätte im Brennpunkt des Touristenverkehrs steht.

Der Lichtenhainer Dorfbach,der hier über mächtige Felsblöcke herabstürzt,hatte schon um 1830 eine aufziehbare Stauvorrichtung bekommen.1912 wurde er bei einem Wolkenbruch zum reißenden Gebirgsbach,verursachte metertiefe Unterwaschungen und hinterließ riesige Geröllhaufen.

Bei dem Hochwasser der Kirnitzsch 1927 war die Talstraße 50 cm hoch überflutet.

Lichtenhainer Wasserfall

1663 ist an der Einmündung des Kleinen Zschandes erstmals von einer Mühle die Rede.Der Name Felsenmühle tauch aber erst 1875 auf,nachdem beim Bau der Talstraße die kleine unscheinbare Mahl-und Brettmühle die fast ausschließlich dem Ottendorfern Bauern gedient hatte,bis auf das Wohnhaus,die heutige Gaststätte,abgerissen wurde und auf dem linken Bachufer neu errichtet worden war.

Von hier an ist der"Flößersteig"wie nur an wenigen Stellen des Kirnitzschtales,ein Stück "historisch echt"Auf ihm zogen die Flößer während des Floßvorganges,zusammen mit den schwimmenden Hölzern,am Ufer entlang,um festgeklemmtes Material wieder flottzumachen und sicher zum nächsten Schutz zu bringen.Die Flößerei hat von 1557 an als kurfürstliches,später "königliches Hoheitsrecht"bis ins 20 Jhd.bestanden,um das Brennholzaufkommen Dresdens und der Städte des sächsischen Niederlandes zu sichern,hat aber auch vielen Einwohnern der Sächsischen Schweiz Arbeit und Brot gegeben.

Schon im 14.Jhd, hat an der Ausmündung des Großen Zschand eine Mahl-und Schneidemühle als Zubehör der Felsenburg auf dem "Winterstein" die 1379 erstmals urkundlich erwähnt wird,bestanden.

 Seit 1961 steht die Neumannmühle als tech.Denkmal unter Schutz.Das erneuerte Mühlrad zeigt nach wie vor einen Durchmesser von 4,60 m.

Hinterhermsdorf zur Oberen Schleuse

Da wir nun genug gewandert sind wollten wir den Nachmittag etwas ruhiger gestalten und planten eine Kahnfart in der Kirnitzschklamm.

Auf dem Parkplatz angekommen ...

...schon wieder wandern. Bis zur Bootsstation Obere Schleuse eine Wanderzeit von 40 min.

Na dann mal los !!! 

 

Unterwegs zur Klamm.Einige hatten sich den einfacheren Weg gewählt und sind mit den Kremser zur Klamm gefahren.Er war auch nicht schneller wie wir.Wir waren gleichzeitig da.

Obwohl wir eigentlich nicht wandern wollten fanden wir den Weg zur Klamm wunderschön.An der Klamm angekommen gab es erst mal eine kleine Stärkung und dann ging es schon weiter.

Nun sind wir mit den Kahn unterwegs und genießen ein einmaliges Naturerlebnis.Eine Bootsfahrt in der wildromantischen Kirnitzschklamm zählt mit zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Sächsischen Schweiz. Fast lautlos gleitet das Boot durch das Wasser des Grenzflüsschens Kirnitzsch.Die Klamm bildet auf ca.10 km die Grenze zwischen Tschechien und Deutschland.Diese Grenze besteht seit 1451

Die Kahnfahrt ist zu Ende.Nun wandern wir wieder zurück zum Parkplatz.

 

Das Wasserkraftwerk (Bild links) wurde 1896 erbaut,1906 erweitert,1991 rekonstruiert und 2003 stillgelegt.

Quelle: Wikipedia (verschiedene Texte wurden von Wikipedia übernommen)

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